WP_11-06

Räumlicher Kontext, migrationsbezogene Vielfalt und Kontakte zu Ausländern in der Nachbarschaft

by Sören Petermann

Working Papers WP 11-06
July 2011
ISSN 2192-2357 (MMG Working Papers Print)

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Spatial context, migration-related diversity and inter-group contacts in the neighbourhood

Abstract
The paper investigates the role of the spatial context for inter-group contact between natives and migrants in neighbourhoods. The few empirical studies on Germany show inconsistent spatial effects on inter-group contact. The processes of establishing and maintaining social relationships from social network analysis and the structural effects of spatial conditions from urban research constitute the theoretical background for the presented analysis. Four hypotheses on the consequences of contact opportunities, of heterogeneity and of size of the population will be derived from that theoretical framework. The hypotheses refer to two different levels of context: the immediate vicinity and the municipality of residence.

A general social survey that was conducted in Germany, the ALLBUS 2006, is used for empirical analysis. The data set comprises not only statements on inter-group contact but also relevant context information on the vicinity (contact opportunities, perceived foreigners) and on the municipality (share of foreigners and community size). Results show that context conditions are important for inter-group contact next to influential individual characteristics. First and foremost the perceived diversity in the vicinity but also contact opportunities and the share of foreigners in the community promote inter-group contact between Germans and foreigners. The negative effect of the community size seemingly confirms that segregation tendencies and modified scope for contact counteract the consequences of migration-related diversity.

Author
Sören Petermann (petermann(at)mmg.mpg.de) is Research Fellow at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity (www.mmg.mpg.de), Department of Socio-Cultural Diversity, Göttingen.

 

Räumlicher Kontext, migrationsbezogene Vielfalt und Kontakte zu Ausländern in der Nachbarschaft

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht den Zusammenhang zwischen sozialräumlichen Kontextbedingungen und Intergruppenkontakten zwischen Einheimischen und Zuwanderern in der Nachbarschaft. Die relativ wenigen empirischen Studien zu Deutschland zeigen inkonsistente Effekte. Vor dem theoretischen Hintergrund zur Etablierung persönlicher Beziehungen aus der sozialen Netzwerkforschung und zum Einfluss räumlicher Bedingungen aus der Stadtforschung werden vier Hypothesen zur Wirkung von Kontaktgelegenheiten, zur Bevölkerungsheterogenität und zur Bevölkerungsgröße aufgestellt. Dabei wird auf zwei unterschiedliche Kontextebenen Bezug genommen: die nahe Wohnumgebung und der gesamte Wohnort.

Für die empirische Analyse wird eine deutschlandweit durchgeführte Bevölkerungsbefragung, der ALLBUS 2006, verwendet. Der Datensatz dieser Befragung enthält nicht nur Angaben zu Intergruppenkontakten, sondern auch relevante Kontextinformationen zur Wohnumgebung (Kontaktgelegenheiten, wahrgenommene Ausländer) und zum gesamten Wohnort (Ausländeranteil und Einwohnerzahl). Im Ergebnis zeigt sich, dass neben dem Einfluss individueller Eigenschaften die Kontextbedingungen für Intergruppenkontakte relevant sind. Vor allem die Wahrnehmung von Ausländern in der Wohnumgebung, aber auch Kontaktgelegenheiten und der Ausländeranteil im Wohnort tragen zu mehr Intergruppenkontakten zwischen Deutschen und Ausländern bei. Mit dem negativen Effekt der Einwohnerzahl scheint sich zu bestätigen, dass Segregationstendenzen und veränderte Handlungsspielräume der Wirkung migrationsbezogener Vielfalt entgegenstehen.

Autor
Sören Petermann (petermann(at)mmg.mpg.de) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften (www.mmg.mpg.de), Abteilung für soziokulturelle Vielfalt, Göttingen.