Zukunft der Bildung: Max-Planck-Gesellschaft startet interdisziplinäres Forschungsprojekt „EduTrack

22. April 2026

Göttingen, April 2026 – Mit „EduTrack" beginnt die Max-Planck-Gesellschaft ein sechsjähriges Forschungsprogramm zur Transformation von Bildung unter Bedingungen beschleunigten gesellschaftlichen Wandels. Das Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft in Göttingen ist einer von vier Projektpartnern und untersucht, wie Lehrkräfte Bildungsungleichheit deuten und welche Formen kollektiven Handelns sich daraus entwickeln. Die weiteren Partner sind das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (Rostock), das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Berlin) sowie das europaweite Wissenschaftsnetzwerk Population Europe (Berlin), das die Gesamtkoordination übernimmt und den Transfer in die Politik sichert.

Bildungssysteme unter Druck

EduTrack reagiert auf eine Konstellation globaler Entwicklungen, die ohne politische Intervention die Funktionsfähigkeit von Bildungssystemen untergraben. Demografischer und technologischer Wandel stehen im Zentrum: Mit längeren Erwerbsbiografien und einer durch Digitalisierung beschleunigten Entwertung beruflicher Qualifikationen verlieren traditionelle lineare Bildungs- und Karrierewege an Tragfähigkeit. Zugleich ist zu beobachten, wie die Globalisierung von Wissen mit wachsender sozialer Stratifizierung einhergeht. Empirische Befunde zeigen, dass Bildung in Europa ihre Funktion als „sozialer Aufzug" weitgehend eingebüßt hat. Diese Entwicklungen können den Zusammenhalt und die weitere Entwicklung von Gesellschaften gefährden.

Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, formulierte 2025 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Bildungsdefizite verringern die Startchancen vieler junger Menschen, hängen mit sozialer Benachteiligung zusammen und wirken sich negativ auf die Gesundheit der Menschen aus." Zugleich betonte er die Verantwortung der Wissenschaft als Politikberaterin: Sie biete „eine solide Grundlage für den politischen Entscheidungsprozess, entlarvt vermeintlich einfache Lösungen als unzureichend und zeigt nachhaltige Handlungsoptionen auf."

Der Beitrag des Göttinger Instituts: Lehrkräfte als politische Akteure

Öffentliche Bildungssysteme geraten weltweit unter wachsenden Druck – durch chronische Unterfinanzierung, digitale Transformation und die Infragestellung liberal-demokratischer Grundwerte. Lehrkräfte stehen an der Schnittstelle dieser Entwicklungen: Sie vermitteln, interpretieren und hinterfragen soziale Ordnungen – und werden dabei selbst zu politischen Akteuren. Wie verändern sich in dieser Gemengelage ihre Überzeugungen, Werthaltungen und Handlungsspielräume?

Diesen Fragen widmet sich am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft die Forschungsgruppe „Teachers, Inequality, and Collective Action" (TICA) unter der Leitung von Hania Sobhy. Sie untersucht, wie soziale Position, biografischer Hintergrund und berufliche Erfahrung die Wahrnehmung von Ungleichheit durch Lehrkräfte formen – entlang von Klasse, Geschlecht, Migration und Sprache – und unter welchen Bedingungen sich daraus kollektives Engagement entwickelt. Methodisch verbindet die Gruppe qualitativen und quantitativen Analysen; der empirische Schwerpunkt liegt auf dem Nahen Osten und Nordafrika. Die Gruppe arbeitet unter der Direktorenschaft von Steven Vertovec.

Ausblick

Seit Anfang 2026 richten die Teams ihre Forschungsprojekte ein. Öffentliche Formate zum Dialog zwischen Wissenschaft und Politik beginnen Anfang 2027.

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